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25.02.2010 - Austauschprogramm von Ehrenamtlichen zwischen Südtirol und Bayern

Austauschprogramm von Ehrenamtlichen
zwischen Südtirol und Bayern

Im Rahmen eines EU- Projektes in Zusammenarbeit mit der Caritas der Diözese Bozen-Brixen sowie dem Landescaritasverband Bayern und dem Caritasverband Münschen findet zur Zeit ein Austausch von ehrenamtlichen Senioren zwischen Südtirol und Bayern statt.
Im Blindenzentrum St. Raphael ist Frau Traudl Nenz aus München derzeit für acht Wochen freiwillig im Einsatz. Wie beschreibt sie ihre Eindrücke nach der ersten Woche?

"Erfahrungsbericht über meinen Spontanentschluß als Ehrenamtliche für 2 Monate nach Bozen zu übersiedeln:

Nach den Feiertagen im Neuen Jahr ging alles sehr schnell. Ein Rundschreiben der Caritas Bozen wurde nach einigen Rückfragen bei Herrn Geiger in München und Herrn Barbieri in Bozen sehr schnell in die Tat umgesetzt. Das hieß auch, daß ich in München alles so organisieren mußte, ein Haus, einige Verpflichtungen und Freunde so zu verlassen, daß ich abkömmlich war für diesen Zeitraum. Ich hatte mich für Februar und März verpflichtet; aber die geplante Seniorenwoche im BLZ Bozen war bereits vom 30.1. ab geplant und so machte ich mich am chaotischsten Tag für Bayern, Donnerstag 28.1., nachdem ich mich freigeschaufelt hatte, auf den Weg nach Bozen und kam auch nach 4 ½ Std. gut bei Herrn Osthoff an.
Nach dem Schnuppertag im BLZ ging es von Samstag 30.1. bis 06.02. nur mit Nachtruhe durch. Ich bekam eine Seniorin zur Betreuung, die fast blind und zudem körperlich nach einem Schlaganfall sehr schlecht drauf war. Alle übrigen Senioren waren teils stark Sehbehindert oder blind, die meisten aber sehr mobil. So fanden diese sich morgens, vor dem Frühstück bereits beim Turnen oder Schwimmen ein. Mein Einsatz begann aber „erst“ so gegen 7.45 Uhr (ich hab hier gottseidank mein Klappradl mit, mit dem ich die 2 km von meinem Zimmer im Zentrum Bozen zum BLZ rascher überwinden kann), wenn meine Seniorin Rosa angezogen war und ich ihr dann beim Frühstück helfen konnte.
Es blieb aber dann nicht nur bei der Hilfe für Rosa, sondern so manch andere Blinde war erfreut, wenn ich mich bei allen Mahlzeiten nicht nur ums Essen Austeilen kümmerte, sondern die Gläser füllte oder das Essen mundgerecht richtete und Reste z.B. vom Salat noch auf die Gabel packte.
Die Seniorenwoche wurde am Sonntag mit einer sehr schönen Messe, gestaltet vom Männergesangsverein Gries, geleitet von einer attraktiven Chorleiterin, begonnen, nachdem am Vorabend noch eine Vorstellungsrunde statt fand.

Diese Woche war nach dem Morgen-Sportprogramm um 7.30 Uhr, ausgefüllt mit der Morgenbesinnung nach dem Frühstück, dann täglich ein anderes Vor- und Nachmittagsprogramm (Mariedl erzählt…., Gedächtnistraining, die Hebamme Irma Geiser Morelato erzählte aus ihrem Leben…., Turnen mit Roberto,
Musiktherapie mit Veronika, Singstunde mit Hr.Meinrad Warger, Diskussion „Von der Lust und Last des Alters“ mit Kaplan A. Prugger, aber auch ein Ausflug auf die Haselburg wurde gemacht, täglicher Spaziergang durfte auch nicht fehlen. Vor dem Abendessen war dann der Rosenkranz angesagt und abends gab es für die Senioren meist auch ein Programm. Dieses schaffte ich nach 11 Std. „Auf den Füssen sein“ jedoch nicht mehr, auch wenn es noch so interessant gewesen wäre.
Die Seniorenwoche ist nun vorbei, ich hab mich ein bißerl von den für mich ungewohnten Tätigkeiten erholt und hatte bereits ein weiteres Erlebnis. Denn ich war Montag frühmorgens unterwegs, um Hr.Nikolaus Fischnaller nach Toblach zu fahren (er ist blind), da er dort 2x 100 Min. in zwei Erste Klassen Mittelschule Infounterricht halten sollte. Ich hatte mir den Weg vorher aber erklären lassen, da ich mich überhaupt noch nicht auskenne und war verwundert, als mein Beifahrer mir plötzlich einen ganz anderen Weg erklärte durch Bozen, um auf die Autobahn zu kommen. Er spürte jede Kurve, jeden Kreisverkehr und leitete mich sicher durch Bozen durch. Auch die weitere Strecke erklärte er mir und die Teilnahme bei der ersten Klasse war auch wieder für mich sehr lehrreich.
Ich mach im Umgang mit den Blinden weiterhin noch einige Fehler; aber ich bin um die Erfahrungen, die ich bis jetzt hier machen durfte, sehr dankbar. Sie sind eine Bereichung für mich und ich freu mich hier in Bozen sein zu dürfen und wünsch mir weiterhin viele positive Eindrücke auch für die, für die ich tätig sein darf."