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BLINDENAPOSTOLAT -> Glauben leben

Glauben leben:

Blindenseelsorge

Mariedl Pircher mit Blindenseelsorger August PruggerIm Südtiroler Volk werden Priester gerne auch „Geistliche“ genannt. Diese Berufsbezeichnung beschreibt sehr gut den Dienst, den die Blindenseelsorger der Diözese im Blindenapostolat und in seinen vielfältigen Einrichtungen und Aktivitäten ausüben: Der Priester ist der „gute Geist“ im Verein und im Blindenzentrum St. Raphael.

In diesen fünf Jahrzehnten des Blindenapostolates haben die Priester Josef Moroder und August Prugger die Seelsorge in diesem Bereich im Auftrag des jeweiligen Diözesanbischofs wahrgenommen. Das Blindenapostolat weiß nach wie vor sehr zu schätzen, dass die Ortskirche einen Priester für die Betreuung von Blinden und Sehbehinderten freistellt. Beide Seelsorger haben sich mit viel Einsatz und Einfühlungsvermögen selbst in die Welt der Blinden und Sehgeschädigten vorgetastet, um ihnen in ihrer seelsorglichen Tätigkeit besonders nahe zu sein.

Der Blindenseelsorger ist bei wichtigen Sitzungen und Veranstaltungen mit eingebunden. Dazu gehören die Treffen des Vorstandes, Bezirkstreffen, Begegnungen mit den Pfarrgemeinden und die Bildungs- und Freizeitwoche.
Gleichzeitig übernimmt der Blindenseelsorger die Aufgabe des Hauskaplans im Blindenzentrum St. Raphael. Mit der Hausgemeinschaft feiert August Prugger dreimal wöchentlich die heilige Messe. Er spendet auch die Sakramente der Versöhnung und der Krankensalbung. Nach dem Gottesdienst am Sonntag besucht der Hauskaplan die kranken und pflegebedürftigen Bewohner des Blindenzentrums, die diese Aufmerksamkeit und seine guten Worte sehr zu schätzen wissen.
In Anlehnung an das internationale Gebetsapostolat, wo das Angelusgebet im Mittelpunkt steht, versammelt sich eine kleine Gruppe täglich in der Hauskapelle zum Rosenkranz.

Kamillianische Familie

Kamillianische FamilieAls „Stubenofen“ des Glaubenslebens innerhalb des Blindenapostolates hat sich in den vergangenen zwei Jahrzehnten die Kamillianische Familie herausgebildet; diese Gruppe verströmt die Wärme der gelebten christlichen Spiritualität auch hinein in die anderen Kammern der Gemeinschaft.

Da der Gedanke der Kamillianischen Familie in Südtirol noch wenig bekannt ist, muss sie hier in einer kurzen Skizze umrissen werden. Vielleicht lässt sich die Idee dieser geistlichen Bewegung am besten in das folgende Bild bringen: Ein Rollstuhlfahrer lenkt mit den Händen sein Gefährt, und eine Blinde schiebt; der Rollstuhlfahrer zeigt den Weg, die Blinde gibt die Kraft.

Die Kamillianische Familie ist eine Gemeinschaft von Männern und Frauen, Blinden, körperlich Behinderten, Freunden und Helfern. Sie nimmt sich besonders der Kranken und Leidenden an, die sich gegenseitig helfen und bestärken. Dabei hat sie das Beispiel des heiligen Kamillus von Lellis vor Augen, der die Nachfolge Christi in der Liebe zu den Leidenden vorlebte.
Wie dieses große Vorbild und der von ihm gegründete Orden der Kamillianer versucht die Familie, Herz, Gebet und Zeit mit Kranken, Leidenden und Hilfesuchenden zu teilen. Das geschieht zum Beispiel mit Besuchen bei kranken, alten und behinderten Menschen in Krankenhäusern, Heimen und Wohnungen. Die Mitglieder der Kamillianischen Familie werden bei verschiedenen Treffen auf ihren Dienst vorbereitet. Dabei geht es um die biblische Grundlegung, eine Einführung in das Leben und die Spiritualität des heiligen Kamillus, sowie um praktische Hilfen für die Gesprächsführung, Krankenbesuche, Sterbebeistand usw.

Weltweit gehören heute der Kamillianischen Gemeinschaft mehr als sieben Millionen Menschen an. Ungefähr 1.100 Priester, etwa 200 Ordensschwestern und viele Laien wirken in 38 Ländern der Erde.

Gruppenfoto Kamillianische Familie

Die Gründung der Kamillianischen Familie in Südtirol vor 25 Jahren geht auf persönliche Bekanntschaften von Mariedl Fischnaller Pircher mit Blindenseelsorgern zurück, die meist auch Kamillianer waren. Zu ihnen gehört P. Robert Swoboda von der Caritas Freiburg, der das deutsche Katholische Blindenwerk aus der Taufe gehoben hatte. Ihn lernt die Apostolatspräsidentin im Jahr 1957 auf dem ersten Internationalen Kongress in Innsbruck kennen. Pater Swobodas Sekretär in Freiburg war Pater Paul Haschek, der für die Kamillianische Familie in Südtirol noch eine entscheidende Rolle spielen wird. Mit Pater Haschek und einer Jugendgruppe verbringt das Blindenapostolat die erste gemeinsame Freizeitwoche in der Lichtenburg. Dann bricht der Faden zu Pater Haschek für lange Zeit ab.
Im Jahr 1979 trifft er wieder mit Mariedl zusammen, und er spricht mit ihr eine halbe Nacht lang über seine Idee, die Gründung einer Kamillianischen Familie, die sie sehr fasziniert. Am 2. Februar 1981 – es ist das Internationale Jahr der Behinderten und Tag der offenen Tür im Blindenzentrum – wird die Gruppe innerhalb des Blindenapostolates offiziell gegründet. Vier Monate später nehmen 250 Menschen mit verschiedenen Behinderungen und ihre Begleiter an einer vom Blindenapostolat organisierten Wallfahrt teil, sie pilgern nach Maria Weißenstein. Der Gottesdienst und die anschließenden Gespräche bestärken alle in diesem Vorhaben. Die Tradition einer Wallfahrt alle zwei Jahre wird seitdem hoch gehalten.
Seit den Gründungstagen wird die Gruppe von Mariedl und Pater Paul Haschek geleitet. Pater Haschek ist bis heute ihr guter Geist bei den jährlichen Glaubensseminaren und den Einkehrtagen. Er war auch bei den Reisen und Besuchen in den verschiedensten Weltgegenden dabei: im Heiligen Land, in Thailand, Laos, auf den Philippinen und in Kolumbien, in Litauen, Polen, Ungarn, Rumänien und Kroatien, wo sehr viel bewirkt werden konnte.
In Österreich wurden die ersten Kamillianischen Familien übrigens etwas später, im Jahr 1983 gegründet, dann folgten Gründungen in Kroatien, Ungarn, Rumänien und inzwischen auch in Italien.

Wissenswertes zu einem wenig bekannten Heiligen:Kamillus von Lellis

Veranstaltungen zur Glaubensvertiefung

Glaubensseminar Lichtenburg 2007Zu den traditionellen Veranstaltungen zur Glaubensvertiefung zählt das fünftägige Glaubensseminar, zu dem sich die Kamillianische Familie meistens im Mai im Bildungshaus Lichtenburg in Nals trifft.

Weiters findet jährlich die Diözesanwallfahrt statt, zu der alle zwei Jahre auch die Körperbehinderten eingeladen sind.
Zusätzlich wurden von Zeit zu Zeit auch größere Wallfahrten organisiert z. B. nach Odilienberg im Elsaß, und zu den Wirkstätten des Pfarrers von Ars in Frankreich und von Bruder Klaus in Flüeli in der Schweiz; dazu kommen die Wallfahrtsorte Maria Einsiedeln, Medjugorie, Tschenstochau, die Muttergottes von Pinè im Trentino und Oies im Gadertal, der Geburtsort des heiligen Josef Freinademetz, Israel, Assisi sowie Rom und Mariazell – um nur einige zu nennen.

Mitarbeit im Katholischen Forum

Im „Katholischen Forum“ sind alle großen katholischen und kirchlichen Verbände der Diözese Bozen-Brixen zusammengeschlossen – von der Katholischen Jungschar über den Familienverband bis zu Pfadfinderschaft und Vinzenzgemeinschaft.

Schon seit der Gründung dieses Dachverbandes ist das Blindenapostolat aktiv mit dabei. Auf diese Weise will das Blindenapostolat in der Ortskirche präsent sein und den anderen kirchlichen Verbänden die Möglichkeit geben, gerade beim sensiblen Thema Behinderung nicht nur in der Theorie, sondern mit Betroffenen selbst zu sprechen. „Es ist zudem wichtig, dass wir unter die Leute gehen und dadurch Zeugnis geben. Schon allein durch das Dabei-Sein kann man etwas bewirken“, fasst Mariedl Fischnaller Pircher ihre bisherigen Erfahrungen im Forum zusammen.

Nicht selten ist bei den Treffen der Verbände zu beobachten, dass viel von Schwierigkeiten und Sorgen in der Kirche die Rede ist. In solchen Situationen spielt die Apostolat-Vertretung öfters die Rolle der Mutmacherin – ist sie doch selbst ein Zeugnis dafür, dass auch ein einzelner Mensch sehr viel bewegen und auch in der Kirche viel Gutes voranbringen kann.
Zudem kann das Blindenapostolat der Diözese und ihren Verbänden noch eine besondere Form der Hilfe anbieten: Immer wieder werden die Anliegen der Ortskirche und ihrer Verbände in der Kapelle des Blindenzentrums im Gebet vor den Herrn getragen.