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Eindrücke von der diesjährigen Kulturreise des Blindenapostolats nach Kroatien, Bosnien, Serbien

 


Samstag, 26.05.2018 – Anreise nach Zadar an der Adriaküste

Auch in diesem Jahr konnte das Blindenapostolat Südtirols seinen Mitgliedern eine Kulturreise anbieten. Am 26. Mai machten sich also 39 blinde und sehbehinderte und sehende Begleiter auf, dieses Mal in Richtung Balkan. Die Fahrt führte über Trient, durch die Valsugana nach Triest, dann ein kurzes Stück durch Slowenien und erreichte so das erste der drei Länder, die bereist werden sollten: Kroatien. Auf der Autobahn im Landesinneren durchfuhren wir ausgedehnte Mischwälder und konnten einen ersten Eindruck davon gewinnen, wie dünn besiedelt Kroatien mit seinen 4,5 Millionen Einwohnern ist. Nach einiger Zeit passierten wir einen Tunnel, der uns auf die andere Seite des Velebitgebirges brachte. Dieses Gebirge verläuft parallel zur Adriaküste und trennt den kontinentalen Teil Kroatiens vom mediterranen. Hier erwartete uns eine sehr karge Macchia-Landschaft. Am späten Nachmittag erreichten wir unser Tagesziel, die 80.000 Einwohner zählende Stadt Zadar in Norddalmatien.
In Zadar lernten wir unsere Reiseleiterin Sonja kennen, eine Kroatin, die uns auf der gesamten Reise begleiten sollte. Zusammen mit ihr unternahmen wir zunächst einen Spaziergang auf der Strandpromenade. Beim Blick über das ganz ruhig daliegende Meer sahen wir einige Inseln, von denen es entlang der zerklüfteten Küste Kroatiens 1000 gibt. Nur 50 davon sind bewohnt. Wir erreichten die Überreste des römischen Forums. Es waren aber sehr wenige, unter anderem, weil die Steine für den Bau von drei Kirchen benutzt worden sind, welche in der Nähe noch erhalten sind. Eine davon ist die Sankt-Donatus-Kirche, eine Rundkirche aus dem neunten Jahrhundert. Daneben stand die Kathedrale zur heiligen Anastasia, eine romanische Basilika. Beide Gotteshäuser sind römisch-katholisch, wie es auch der Großteil der kroatischen Bevölkerung ist. Nach unserem Stadtbummel bezogen wir unser Hotel, in einem Badeort nördlich von Zadar direkt am Strand gelegen.


Sonntag, 27.05.2018 –Trogir und Split in Mitteldamatien

Am Sonntagvormittag fuhren wir dann weiter, immer in Richtung Süden und durch Macchialandschaft nach Mitteldalmatien, wo wir zunächst die Stadt Trogir besuchten. Diese hat 7000 Einwohner, wurde von der UNESCO zum Weltkulturerbe ernannt und liegt auf einer Insel in einer Bucht. In dieser konnten wir bei unserer Anreise über eine serpentinenreiche Straße eine Vielzahl von Segelschiffen zählen. Den Stadtkern erreichten wir zu Fuß über eine Brücke. Wir bummelten durch schmale, heimelige Gassen bis zum Hauptplatz der Stadt. Dort lauschten wir einer Clapa, einem kleinen Männerchor, der kroatische Volkslieder sang. Dann ging es weiter, die Strandpromenade entlang bis zur Festung. Überall in der Stadt gab es kleine Plätze und die Besitzer der vielen Gaststätten hätten uns gerne zur Einkehr eingeladen, aber wir fuhren weiter zu unserem nächsten Ziel, der Stadt Split an der anderen Seite der Bucht gelegen.
Split ist mit 180.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kroatiens. Die Innenstadt, die sich aus einer römischen Festung entwickelt hat, ist UNESCO-Weltkulturerbe. Anhand eines tastbaren Modells verschafften wir uns zunächst einen Überblick. Zentraler Punkt der Stadt ist der Dom zum Heiligen Domius, dem Stadtheiligen. Dieser ist das ehemalige Mausoleum des römischen Kaisers Diokletians, der hier zusammen mit seiner Frau im vierten Jahrhundert beigesetzt worden ist. Weiters besuchten wir die Taufkapelle zum Heiligen Johannes, früher Jupiter Tempel. Durch das Prachttor, dass sogenannte „Goldene Tor“ verließen wir die Altstadt und stellten uns vor der übergroßen Statue des Bischofs Gregor von Nin zum Gruppenfoto auf. Obligatorisch war es auch, die riesigen, nackten Füße der Statue zu berühren, um irgendwann nach Split zurückzukehren. Ein Spaziergang an der Riva, der Flaniermeile entlang des Ufers mit vielen Cafés schloss unseren Aufenthalt in Split ab.
Wir bestiegen wieder unseren Bus und machten uns auf, immer weiter in Richtung Süden, zu unserem nächsten Reiseland Bosnien–Herzegowina. Dazu verließen wir den EU-Raum. Dieser Grenzübertritt ging verhältnismäßig reibungslos über die Bühne. Bei den weiteren, zahlreichen Übertritten auf unserer Reise, wurde unsere Geduld wesentlich länger auf die Probe gestellt. Überhaupt waren die Grenzkontrollen und die damit verbundenen, mitunter langen Wartezeiten, sowie der Umgang mit vier verschiedenen Währungen während unserer Reise Erfahrungen, an die wir als Mitteleuropäer schon gar nicht mehr gewöhnt sind. Gleich nach der Grenze befuhren wir eine holprige Landstraße, wobei wir bei einem Schlagloch eine Radkappe des Busses verloren. Glücklicherweise waren aber nicht alle Straßen in Bosnien in einem so schlechten Zustand. Am Abend erreichten wir unser Hotel, 8 km nördlich von Medjugorje gelegen. Medjugorje war übrigens der südlichste Punkt unserer Reise.


Montag, 28.05.2018 – Medjugorje


Der Montag war als Pilgertag gestaltet und wir verbrachten ihn in Medjugorje. Dem Zeugnis von sechs Sehern nach, die damals noch Kinder waren, erschien hier 1981 zum ersten Mal die Gottesmutter und rief zum Frieden in der Welt auf. So umstritten Medjugorje bis heute ist, so muss doch anerkannt werden, dass in dieser Oase des Gebetes viele Menschen Kraft für ihr Leben schöpfen.
Am Morgen feierten wir in der Kirche von Medjugorje den Gottesdienst, der von einer Jugendgruppe aus Deutschland musikalisch umrahmt war. Eindrucksvoll waren die Begeisterung und die Andacht der mitfeiernden Gläubigen. Anschließend teilte sich die Gruppe auf: ein Teil verbrachte den Vormittag im Dorf, betete den Kreuzweg, traf eine Pilgergruppe aus Südtirol oder durchstöberte die zahlreichen Geschäfte. Der andere Teil der Gruppe bestieg den Kreuzberg, einen Hügel, auf dem 1933 der damalige Pfarrer mit seiner Gemeinde ein 8,5 m hohes Kreuz errichten ließ. Der Weg auf den Kreuzberg war steil und extrem steinig, und er verlangte besonders uns Blinden, aber auch unseren Begleitern alles ab. Er war als Kreuzweg gestaltet und mit 14 Bronze-Relieftafeln geschmückt. An den einzelnen Stationen beteten und sangen wir gemeinsam und Einzelne brachten ihre Gedanken oder Bitten vor. Der beschwerliche Weg, die schweißtreibende Hitze sowie die improvisierte und spontan gestaltete Kreuzwegandacht machten aus der Besteigung des Kreuzberges ein besonderes, spirituelles Erlebnis, das vieles vom Schweren im Leben und in der Welt ganz hautnahe verdeutlichte. Das „getragen sein“ in der Gruppe und das gemeinsame Gebet halfen, dass bis auf eine Teilnehmerin alle den Gipfel erreichten. Nach einem kurzen Aufenthalt dort oben, wo man weit über das leicht hügelige, grüne Land und auf die Wallfahrtskirche von Medjugorje schauen konnte, die wir während unseres gesamten Aufstieges im Blick hatten, traten wir den Abstieg an. Dieser war jedoch nicht minder anspruchsvoll und verlangte volle Konzentration. Umso größer war die Erleichterung, als wir wieder ebenen, asphaltierten Boden unter unseren Füßen spürten. So gut wie der frisch gepresste Orangensaft, den wir in einer Bar am Fuße des Kreuzberges tranken, hat wohl selten etwas geschmeckt.
Während einige aus der Gruppe am Nachmittag weiterhin in Medjugorje blieben, machten die anderen einen Ausflug zu den Kravica Wasserfällen. Es gab die Möglichkeit, entweder mit einem kleinen Touristenzug oder zu Fuß in eine, im Wald gelegene Schlucht hinunterzusteigen. Dort ergossen sich in einer Breite von 50 Metern 15 bis 20 kleine Wasserfälle über Felsen und pflanzenbesetzte Hänge 20 Meter tief in einen kleinen See. Die besonders Mutigen wagten sogar ein Bad in diesem See, die meisten begnügten sich aber mit einem erfrischenden Fußbad. Dieser Ausflug schloss den religiösen Tag in Gottes schöner Natur ab.


Dienstag, 29.05.2018 – Mostar und Sarajevo in Bosnien-Herzegowina

Am Dienstag besuchten wir die zwei größten Städte von Bosnien-Herzegowina. Dieses Land hat 3,5 Millionen Einwohner, wobei heute 50% davon Bosnier und somit mehrfach Muslime sind, 31% orthodoxe Serben und 15% meist katholische Kroaten. Mostar, die Hauptstadt von Herzegowina, hat 110.000 Einwohner. Je 40% davon sind Bosnier und Kroaten. Vom 107 Meter hohen Kirchturm des Franziskanerklosters aus, den einige per Fahrstuhl erklommen, konnte man deutlich erkennen, dass auf einer Seite des Flusses Neretva lauter Minarette von Moscheen und auf der anderen Seite Kirchtürme christlicher Gotteshäuser zu sehen waren. Über sehr holpriges Katzenkopfpflaster bummelten wir der Hauptstraße entlang und erreichten das Wahrzeichen der Stadt, die Stari-Most-Brücke, zu Deutsch „Alte Brücke“. Diese ist 19 Meter hoch und ist im 16. Jahrhundert erbaut worden. Sie war im Bosnien-Krieg 1992-1995 zerstört und dann wieder aufgebaut worden. Seit jeher besteht die Tradition, dass junge Männer von der Brücke in den kalten Fluss springen, heutzutage aber nur gegen Bezahlung durch Touristen. Auch unser mutiger Buschauffeur Daniel wollte den Sprung wagen, da er aber hierfür ebenfalls zur Kasse gebeten worden wäre, hat er es sich doch noch einmal anders überlegt. Der ganzen Hauptstraße der Altstadt entlang gab es zahlreiche kleine Läden, in welchen für die Gegend typische Kupfer-Handwerksarbeiten verkauft worden sind. Wer sich nicht hier die freie Zeit vertreiben wollte, hatte die Möglichkeit, im sogenannten „Heimatmuseum“ ein arabisch ausgestattetes Haus zu besichtigen. Eindrucksvoll waren auch die einzelnen, noch vom Krieg zerstörten Häuser oder die Fassaden mit Einschusslöchern. Wie Sarajevo und vermutlich andere Städte, war Mostar zu 90% zerstört worden, wobei in den vergangenen 23 Jahren in den Städten der Großteil dieser Kriegsschäden beseitigt worden ist.
Am Nachmittag fuhren wir ein teilweise sehr enges Tal entlang ins Gebirge in die Hauptstadt Sarajevo (400.000 Einwohner). Die Landschaft mit viel Wald und mit Dörfern, erinnerte uns stark an unsere Heimat. An Stelle der bei uns üblichen Kirchtürme ragte hier aber in jedem Dorf ein Minarett in den Himmel. Sarajevo wird auch das „Jerusalem von Europa“ genannt, weil hier mehrere Religionen und Kulturen aufeinander treffen. In der Tat trifft man, während eines Bummels durch die Innenstadt auf eine Moschee, eine Synagoge, eine orthodoxe, sowie eine katholische Kirche. An einer Stelle in der Stadt machte uns unser lokaler Reiseleiter darauf aufmerksam, dass man, wenn man in eine Richtung der Gasse entlang blickt, ein orientalisch geprägtes Stadtbild sieht, in die andere ein altösterreichisches. Es gibt 3 wichtige Ereignisse in der Geschichte der Stadt: Eines ist das Attentat auf den österreichischen Thronfolger Franz Ferdinand im Jahre 1914, das Auslöser des Ersten Weltkrieges war. Darüber wurde uns an der entsprechenden Stelle berichtet. Das zweite waren die Olympischen Winterspiele, die 1984 in den Bergen rund um die, in einem Kessel liegenden Stadt ausgetragen worden sind. Das dritte ist der Krieg der 90er Jahre, von dem überall in der Stadt die sogenannten „Rosen von Sarajevo“ zeugen. Das sind Markierungen wie Blutflecken, die überall dort angebracht worden sind, wo mehrere Menschen gleichzeitig ihr Leben lassen mussten.
Unser Quartier für diese Nacht bezogen wir in unmittelbarer Nähe der Innenstadt, sodass wir am Abend noch etwas in der stark belebten Fußgängerzone spazieren gehen konnten, wo sich Jung und Alt bis spät tummelten.


Mittwoch, 30.05.2018 – Begegnung mit Freunden

Der Mittwoch war der Begegnung mit Freunden gewidmet. Dazu machten wir einen Abstecher zurück nach Kroatien. Die Fahrt führte von Sarajevo zuerst, immer dem Fluss Bosna entlang nordwärts durch ein Tal, in dem sich Felder und ausgedehnte Wälder abwechselten. Allerdings waren hier noch viele Ruinen von Häusern zu sehen, die im Krieg zerstört worden sind und aus denen mittlerweile schon die Bäume wachsen. Daran konnte man etwas von der Armut des Landes erahnen und davon, dass viele vom Land in die Stadt oder überhaupt ins Ausland ziehen in der Hoffnung auf eine bessere Zukunft.
Unterwegs stieg Gradimir zu uns in den Bus zu, ein Vertreter eines Blindenvereines aus Nordbosnien. Diesen hatte das Blindenapostolat Südtirol, auf Vermittlung der früheren Mitarbeiterin des Blindenzentrums Bozen Mira, unterstützt. Er freute sich, persönlich den Dank aussprechen zu können und bedauerte, dass wir keinen Aufenthalt in seiner Gegend vorgesehen hatten. Weiters erzählte er über ein derzeit aktuelles Projekt, in Rahmen dessen 7 sehgeschädigte Personen eine Arbeitsmöglichkeit erhalten sollen.
Unmittelbar nach der Grenze erreichten wir Slavonski Brod, wo uns Pfarrer Pavao bereits erwartete. Er hatte hier nach dem Krieg der 90er Jahre den Auftrag erhalten, eine neue Pfarrei aufzubauen. Dazu hatte er vom Bischof ein Dekret und eine Wiese erhalten, wie er erzählte. Entstanden sind eine Kirche, ein Pfarrzentrum und eine Kamillianische Familie. Pfarrer Pavao setzte sich auch sehr für die Betreuung von Kriegsflüchtlingen aus dem naheliegenden Bosnien ein. Sehr dankbar und gerührt sprach er von Mariedl und vielen anderen Menschen, die ihn bei seiner Arbeit unterstützt haben.
Zum Mittagessen fuhren wir in ein rustikales Gasthaus, das in Mitten eines Waldes lag. Dort wurden uns für die Gegend typische Speisen serviert und natürlich Sliwowitz, der typische Zwetschgenschnaps.
Anschließend ging es dann weiter nach Stitar, wo Pfarrer Pavao jetzt, nach seiner Pensionierung als Seelsorger eine Gemeinde von 1.600 Gläubigen betreut. Dort zeigte er uns die alte Kirche aus dem 19. Jahrhundert, die für eine Dorfkirche recht reich geschmückt war. In der neuen Kirche waren wir zu Kaffee und Kuchen eingeladen, den Frauen des Ortes für uns gebacken hatten. Der Tag war eine willkommene Abwechslung, um die Gemeinschaft in unserer Gruppe und die Verbundenheit mit den Menschen vor Ort zu feiern.
Am späten Nachmittag ging unsere Fahrt dann weiter zu unserem am östlichsten gelegenen Reiseziel Belgrad, der Hauptstadt von Serbien.


Donnerstag, 31.05.2018 – Belgrad, Hauptstadt von Serbien

Den Donnerstag verbrachten wir in Belgrad, der Hauptstadt unseres dritten Reiselandes Serbien. Serbien hat 7,1 Millionen Einwohner, Belgrad 1,2 Millionen. Zuerst führten uns unsere lokalen Reiseleiter in die Kalemegdan, die Festung Belgrads, die ihre Ursprünge in der Antike hat und von den verschiedenen Machthabern immer wieder erweitert worden ist. Die Anlage erstreckt sich über 50 ha. Zu sehen sind heute Grünanlagen, Befestigungsmauern, Tore mit Kettenbrücken, Türme usw. Von einer Empore aus blickten wir auf die Mündung der Save in die Donau hinunter.
Später begaben wir uns in die Altstadt, wo uns das Rathaus, weitere Regierungsgebäude und der Hauptplatz, der Platz der Republik gezeigt worden sind, vieles aus der Zeit der österreichischen Herrschaft, einiges auch aus der Epoche der Türken, die 350 Jahre lang angedauert hat.
Am Nachmittag machten wir einen Ausflug auf eine Insel in der Save. Hier gingen wir spazieren, einige verweilten am Wasser, einige saßen im Schatten auf einer Bank und nutzten die Zeit für einen Plausch mit anderen Gruppenmitgliedern.
Bevor wir ins Hotel zurück fuhren, machten wir noch einen kurzen Stopp beim orthodoxen Dom zum Hl. Sava, dem größten Gotteshaus auf dem Balkan. An ihm wird mit vielen Unterbrechungen seit den 1930er Jahren gebaut. Die eigentümliche Außenansicht mit Kuppeln und Türmchen ist sehr prachtvoll. Die Gestaltung der Kuppel im Inneren wurde im Februar 2018 fertiggestellt, während sich sonst im Hauptraum noch vieles in Bau befindet. Die Krypta hingegen glänzt und prunkt mit Goldverzierungen, Gemälden, Mosaiken und Kristall-Leuchtern in voller Pracht. Die feierliche Atmosphäre wurde vom Weihrauchduft und von den gregorianischen Gesängen der Geistlichen verstärkt, die gerade einen Gottesdienst abhielten.


Freitag, 01.06.2018 – Novi Sad in der Vojvodina


Am Freitag verließen wir Belgrad und fuhren weiter in die Vojvodina und in die Stadt Novi Sad. Die Gegend hier in der Panonischen Tiefebene ist sehr fruchtbar und wird für Obst- und Weinbau sowie für Feldwirtschaft genutzt. Sie war die Kornkammer Jugoslawiens, auch wenn nur 2% der Flächen bewässert werden können.
Novi Sad mit ihren 250.000 Einwohnern wird 2021 Europäische Kulturhauptstadt, wie unsere lokalen Reiseleiter mehrmals betonten. Sie liegt an der Donau und ist eine neuere Stadt, geplant und erbaut unter den Österreichern. Kein Gebäude ist älter als 300 Jahre. Die Fassaden sind mit Stuckaturen im barocken Stil gestaltet, allerdings nicht sehr üppig. Etwas oberhalb der Stadt ist die Festung Petrovaradin zu sehen.
Nach unserem Aufenthalt in Novi Sad verließen wir Serbien wieder und kehrten nach Kroatien zurück. An diesem Abend besuchte uns Sead Muhamedagic im Hotel in Zargreb, den viele von seinen Aufenthalten in Bozen her kennen.


Samstag, 02.06.2018 – Zagreb und Heimreise

Bevor wir die Heimreise antraten, zeigte uns Sonja am Samstagvormittag noch ihre Heimatstadt Zagreb, die Hauptstadt von Kroatien. Diese hat 800.000 Einwohner. Sonja führte uns durch die Innenstadt zum Hauptplatz Ban-Jelacic-Platz bis zur Kathedrale Maria Himmelfahrt. Auf dem Platz vor der Kirche waren ein Brunnen und eine Säule mit einer vergoldeten Marienstatue zu sehen. Das Gotteshaus war früher im barocken Stil erbaut und wurde nach der Zerstörung durch einen Brand und Erdbeben, Ende des 19. Jahrhunderts im neugotischen Stil neu errichtet. Hinter dem Hochaltar befindet sich das Grab des Seligen Bischofs und Kardinals Stepinac, der von 1937 bis 1960 in Zagreb gewirkt hat. Die Kommunisten haben ihm vorgeworfen, sich während des Zweiten Weltkrieges zu wenig für Juden und Serben eingesetzt zu haben. Eine von Papst Franziskus einberufene, ökumenische Kommission soll nun prüfen, ob der Bischof heiliggesprochen werden kann.
Die Gebäude rund um die Kathedrale waren gut erhaltene, niedrigere Bürgerhäuser. Auch den Gemüsemarkt durchquerten wir, wo die Zagreber ihre Einkäufe tätigten. Dann bummelten wir weiter durch enge Straßen hinauf in die Oberstadt zur Markuskirche. Dabei kamen wir am Steinernen Tor an einer Gedenkstätte vorbei, in der ein Gnadenbild der Mutter Gottes verehrt wird.
Anschließend hieß es dann Abschied nehmen von Sonja, von Zagreb und vom Balkan. Unsere Fahrt führte uns Richtung Norden nach Ljubljana in Slowenien und dann weiter bis an den Fuß des Karwendelgebirges. Von Belgrad, wo wir die Mündung des Flusses Save in die Donau gesehen hatten, bis hier, wo in den nahegelegenen Bergen die Save entspringt, waren wir mehr oder weniger stets dem Verlauf dieses 950 km langen Flusses entlanggefahren.

Während unserer Weiterfahrt durch Kärnten, Osttirol und das Pustertal hatten wir reichlich Zeit, uns die einzelnen Stationen unserer Kulturreise in den Balkan in Erinnerung zu rufen. Wir hatten in den vergangenen Tagen kulturell interessante Stätten besucht, in einer Gegend, die eine sehr komplizierte Geschichte hat, wie unser lokaler Reiseleiter in Belgrad es definiert hatte. Die Menschen, denen wir begegneten, schienen uns, trotz der teilweise schwieriger Lage in der sie sich befinden, nicht zu resignieren sondern auf Aufschwung zu hoffen, was ihnen von Herzen zu wünschen ist.
Unser Dank galt auch dieses Mal Nikolaus, der die Organisation und Durchführung der Reise in die Hand genommen hatte, Ernst Volgger, der den Anstoß gegeben hatte, in diese Ecke Europas zu reisen und allen sehenden Freunden und Begleitern, die sich mit uns auf den Weg gemacht hatten. Auch dem jungen und spritzigen Buschauffeur Daniel dankten alle herzlich, dass er uns sicher gefahren und nebenbei noch vieles von dem, was zu sehen war beschrieben hatte. Er war das erste Mal mit uns unterwegs gewesen, hatte sich aber von Anfang an gut in die Gruppe eingebracht und war einer von uns geworden.

Müde, aber mit vielen Eindrücken und den Erinnerungen an eine schöne und harmonische Gemeinschaft innerhalb der Gruppe kamen wir am späten Abend in Brixen bzw. Bozen an und hoffen, auch im kommenden Jahr wieder gemeinsam eine Kulturreise irgendwohin antreten zu können.

Gabi Bernard
(Teilnehmerin)
Oberbozen, Juni 2018

 

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