{"id":5268,"date":"2026-08-07T11:29:05","date_gmt":"2026-08-07T09:29:05","guid":{"rendered":"https:\/\/www.blindenzentrum.bz.it\/?post_type=mec-events&#038;p=5268"},"modified":"2026-08-07T11:29:05","modified_gmt":"2026-08-07T09:29:05","slug":"eindruecke-von-der-kulturreise-des-blindenapostolates-suedtirol-nach-umbrien-und-in-die-toskana","status":"publish","type":"mec-events","link":"https:\/\/www.blindenzentrum.bz.it\/it\/events\/eindruecke-von-der-kulturreise-des-blindenapostolates-suedtirol-nach-umbrien-und-in-die-toskana\/","title":{"rendered":"Eindr\u00fccke von der Kulturreise des Blindenapostolates S\u00fcdtirol nach Umbrien und in die Toskana"},"content":{"rendered":"<p><strong>Samstag, 30.05.2026 \u2013 Abfahrt und erster Zwischenstopp in Montepulciano<\/strong><\/p>\n<p>Die traditionellen Kulturreisen des Blindenapostolates S\u00fcdtirol haben bereits fast alle Regionen Italiens zum Ziel gehabt oder zumindest gestreift. Umbrien ist eine der wenigen Regionen, die wir in diesem Rahmen noch nicht ausgiebig besucht haben. Vielleicht auch deswegen wurde als Ziel der diesj\u00e4hrigen Kulturreise vom 30.05. bis zum 06.06.2026 Umbrien gew\u00e4hlt.<\/p>\n<p>Am Samstagmorgen starteten also 37 Personen in Bozen, n\u00e4mlich blinde, sehbehinderte und sehende Reiselustige aus S\u00fcdtirol, \u00d6sterreich und Deutschland. Die Fahrt ging auf der Brennerautobahn in Richtung S\u00fcden, durch die Poebene und in langen Tunells unter den Apennin hindurch, bis wir s\u00fcdlich von Florenz die typische Landschaft der Toscana erreichten mit H\u00fcgeln, Olivenhainen, Weinbergen und Zypressen.<\/p>\n<p>Am fr\u00fchen Nachmittag kamen wir in Montepulciano an, wo wir auf unsere Reiseleiterin Catia trafen, die uns f\u00fcr die ganze Woche begleitet hat. Unterst\u00fctzt wurde sie hier in der s\u00fcdlichen Toscana von Barbara, die die F\u00fchrung in der Stadt \u00fcbernommen hat. Wie alle weiteren St\u00e4dtchen, die wir auf unserer Reise besuchen sollten, liegt Montepulciano auf einem H\u00fcgel. Dementsprechend f\u00fchrte die Stra\u00dfe zum Zentrum steil bergauf. In der nachmitt\u00e4glichen W\u00e4rme kamen wir ganz sch\u00f6n ins Schwitzen und so mancher hatte das Gef\u00fchl, wirklich 600 H\u00f6henmeter zur\u00fccklegen zu m\u00fcssen, wie unsere Reiseleiterin uns angedroht hatte. Wir waren froh, dass wir wenigstens nicht ein 81 kg schweres Holzfass die Gassen hinauf rollen mussten, wie dies beim Wettrennen namens Bravio delle Botti der Brauch ist, das allj\u00e4hrlich in Montepulciano ausgetragen wird. Gl\u00fccklicherweise erleichterten uns Rolltreppen oder Standseilbahnen w\u00e4hrend unseres restlichen Aufenthaltes jeweils die beschwerlichen Anstiege zu den Stadtzentren, die sich stets am h\u00f6chsten Punkt auf dem H\u00fcgel befinden.<\/p>\n<p>Montepulciano ist von den Etruskern im 5. Jh. V. CH. Gegr\u00fcndet worden. In der Stadt finden sich noch Spuren des Mittelalters und der Renaissance. Unser Spaziergang ging zuerst durch ein j\u00fcngeres und dann durch ein zweites, \u00e4lteres Stadttor hindurch bis hinauf zum Hauptplatz mit der Kathedrale, historischen Geb\u00e4uden und dem Brunnen namens Pozzo dei Grifi e dei Leoni. Auf dem Platz spielten drei Musikanten Zigeunermusik.<\/p>\n<p>Montepulciano ist bekannt f\u00fcr den Weinanbau. Deswegen stiegen wir vor unserer Weiterfahrt in einen k\u00fchlen Weinkeller hinunter, wo wir typische Produkte der Gegend und vor allem verschiedene Weine verkosteten. Darunter war der Vino Nobile, ein trockener Rotwein, der nur in Montepulciano hergestellt wird.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend setzten wir unsere Fahrt fort und erreichten am fr\u00fchen Abend Umbrien. Mit 850.000 Einwohnern ist Umbrien eine der kleineren Regionen Italiens. Als einzige der Regionen Mittel- und S\u00fcditaliens hat Umbrien keinen Zugang zum Meer. Nachbarregionen sind die Toscana, die Marken und das Latium. In Castiglione del Lago am Trasimenosee bezogen wir f\u00fcr die ganze Woche unsere Unterkunft.<\/p>\n<p><strong>Sonntag, 31.05.2026 \u2013 Siena: Mittelalterliche Stadt, Hl. Katharina und Palio<\/strong><\/p>\n<p>F\u00fcr unseren Sonntagsausflug begaben wir uns noch einmal in die Toscana und zwar in die mittelalterliche Stadt Siena. Diese hat 53.000 Einwohner und ist auf drei H\u00fcgeln erbaut. Zun\u00e4chst statteten wir der Dominikanerkirche einen Besuch ab, wo Reliquien der Heiligen Katharina von Siena aufbewahrt werden, n\u00e4mlich ihr Haupt und der rechte Daumen. Dann spazierten wir hinunter zum Geburtshaus der Heiligen. Katharina lebte von 1347 bis 1380 und war eines der j\u00fcngsten von 25 Kindern eines Tuchf\u00e4rbers. Schon in jungen Jahren f\u00fchrte Katharina ein tief religi\u00f6ses Leben. Sie beeinflusste die damalige Gesellschaft und Kirchenpolitik stark, obwohl Frauen seinerzeit keinen gro\u00dfen Stellenwert hatten und Katharina keine Schulbildung genossen hatte.<\/p>\n<p>Unser Spaziergang ging weiter bergab bis zum Bottino di Fonte Gaia , einem Teil eines unterirdischen Kanalsystems. Zu sehen waren drei Wasserbecken, wovon eines zur Trinkwasserversorgung, eines zum Tr\u00e4nken des Viehs und das dritte zum W\u00e4schewaschen diente.<\/p>\n<p>Vom Tal bef\u00f6rderte uns eine Rolltreppe bequem auf den n\u00e4chsten H\u00fcgel, auf dem das Stadtzentrum erbaut ist. Hier besuchten wir zun\u00e4chst das Armenspital Santa Maria della Scala. Siena liegt direkt auf der Via Francigena, einem der alten Pilgerwege nach Rom. Das Spital diente fr\u00fcher als Pilger-Hospiz und war bis 1992 noch als Krankenhaus in Betrieb. Heute beherbergt es ein Museum in dem sakrale Kunstwerke ausgestellt und wundersch\u00f6ne Wandmalereien zu bewundern sind. Diese wurden uns auch anhand tastbarer Modelle n\u00e4hergebracht<\/p>\n<p>Dann ging es weiter zum Hauptplatz der Stadt, der muschelf\u00f6rmig angelegten Piazza del Campo. Er ist mit r\u00f6tlichem Backsteinen gepflastert wobei hellere Streifen aus Travertin strahlenf\u00f6rmig Richtung Rathaus am unteren Rand des Platzes zusammenlaufen. Auf diesem Platz wird zweimal j\u00e4hrlich das historische Pferderennen Palio di Siena ausgetragen. Wie alle anderen Wettk\u00e4mpfe, von denen wir bei unseren Besuchen in den verschiedenen St\u00e4dten geh\u00f6rt haben, handelt es sich um einen Wettkampf zwischen den verschiedenen Stadtvierteln, den so genannten Contrade. Eigens vom jeweiligen Stadtviertel engagierte Reiter jagen ihr Pferd dreimal die Runde um den Platz, wobei alle Mittel zum Ausschalten der Konkurrenz erlaubt sind. Das Stadtviertel, dessen Pferd als erstes ins Ziel kommt, auch wenn dies ohne Reiter geschieht, gewinnt den Paglio. Die Senesi sind ein sehr stolzes Volk, und jung und alt halten sehr viel von dieser Tradition. Da am Abend des Tages, an dem wir Siena besucht haben, die Auslosung der teilnahmeberechtigten Contrade stattfinden sollte, marschierte auch ein Zug von Trommlern und Fahnenschwingern durch die Gassen. Alle waren in den Farben der Contrade gekleidet, der sie angeh\u00f6rten, und wir konnten uns ein akustisches Bild vom Einzug machen, der vor dem Rennen stattfindet.<\/p>\n<p>Am Nachmittag besichtigten wir den Dom von Siena aus schwarzem und wei\u00dfen Marmor. Die Fassade des Gotteshauses ist reich geschm\u00fcckt mit Skulpturen und einem Mosaik das die Kr\u00f6nung Mariens zeigt. Wertvolle Bodenmosaike im Inneren zeigen biblische Szenen. Im 14. Jh. H\u00e4tte der Dom gro\u00dfartig erweitert werden sollen, so dass er die Ausma\u00dfe des Petersdoms in Rom \u00fcbertroffen h\u00e4tte, was aber wegen Geldmangels nicht umgesetzt werden konnte.<\/p>\n<p><strong>Montag, 01.06.2026 \u2013 Orvieto: Stadt auf und im Felsen<\/strong><\/p>\n<p>Am Montag stand der Besuch der Stadt Orvieto im S\u00fcdwesten Umbriens auf dem Programm. Diese Stadt (19.000 Einwohner) ist auf einem riesigen Tuffsteinfelsen erbaut. Sie ist im 6. Jh. V. Ch. von den Etruskern gegr\u00fcndet worden. Dieses antike Volk hat \u00fcberall in Umbrien seine Spuren hinterlassen. Die Etrusker waren hervorragende Baumeister, vieles \u00fcber sie ist aber noch gar nicht erforscht worden und somit noch ein Geheimnis.<\/p>\n<p>Als erstes begaben wir uns auf den Domplatz. Von ihm wurde uns eigentlich nichts Besonderes beschrieben, aber er strahlte trotzdem eine einladende und angenehme Atmosph\u00e4re aus. Vom Anblick der imposanten Fassade des Domes hingegen waren wir beeindruckt. Eine Begleiterin war \u00fcberhaupt der Meinung, es handle sich um die sch\u00f6nste Kirchenfassade, die sie je gesehen habe. Die Fassade ist reich geschm\u00fcckt mit Reliefs und mit goldhinterlegten Mosaiken, die Szenen aus dem Leben Mariens zeigen. Oberhalb des mittleren von drei Eingangsportalen aus Bronze befindet sich eine Rosette mit dem Haupt des Christus. Wie der Dom in Siena ist das Gotteshaus schwarz-wei\u00df gestreift, allerdings besteht es nicht aus Marmor sondern aus Basalt und Travertin. Auch das Innere ist nicht so wertvoll gestaltet, aber trotzdem wirkte es prachtvoll. In einer Seitenkapelle erkl\u00e4rte uns Catia in lebhaften Bildern die Wandmalereien, die die Apokalypse und das letzte Gericht zeigen. In einer anderen Seitenkapelle verweilten wir einen Moment im stillen Gebet. Hier wird n\u00e4mlich das Altartuch des Blutwunders von Bolsena aufbewahrt. Ein von Zweifel geplagter b\u00f6hmischer Priester pilgerte im 13. Jh. nach Rom und als er bei Bolsena die Eucharistie feierte, tropfte Blut aus der Hostie in seinen H\u00e4nden und tr\u00e4nkte das Altartuch. Von diesem Wunder ging die Einf\u00fchrung des Fronleichnamsfestes aus.<\/p>\n<p>Mehrmals w\u00e4hrend unseres Aufenthaltes in und vor dem Dom schlug die Kirchturmuhr, und zwar wurde die Glocke vom \u00e4ltesten automatisierten Gl\u00f6ckner zum Klingen gebracht. Diesem hat man den Namen Maurizio gegeben. Anschlie\u00dfend bummelten wir noch etwas durch die Gassen der Stadt bis zum Palazzo del Capitano, der heute ein Kongresszentrum beherbergt.<\/p>\n<p>Am Nachmittag lernten wir dann die Unterwelt Orvietos kennen. Man k\u00f6nnte sich fragen, wie seinerzeit das Material zur Erbauung der Stadt auf den Felsen gebracht worden ist. Die Antwort findet sich in den vielen Kellern und Grotten unterhalb der Geb\u00e4ude. Diese wurden n\u00e4mlich in den Fels gehauen und mit den so gewonnenen Gesteinen wurden die H\u00e4user erbaut. Die Etrusker hatten sich oben auf dem Felsen angesiedelt, weil sie dort sicher vor Feinden waren. Eine Herausforderung war aber die Wasserversorgung. So gruben sie 30 \u2013 40 m tiefe Sch\u00e4chte in den Felsen um zu Wasserquellen zu gelangen. Wir stiegen in den Pozzo della Cave hinunter, der einst einer dieser Sch\u00e4chte war. In den darauffolgenden Jahrhunderten wurde der Schacht, wie viele andere, zugesch\u00fcttet, im 16. Jh. Aber wieder freigelegt und als Brunnen benutzt. Die heutigen Besitzer haben schlie\u00dflich hier ein privates arch\u00e4ologisches Museum eingerichtet.<\/p>\n<p>Zur\u00fcck in unserem Bus und vor der R\u00fcckfahrt zu unserem Hotel warfen wir noch einmal einen Blick hinauf auf die Stadt am Felsen mit der Kathedrale, die das Bild beherrscht. Dabei entdeckten wir auch die Zement-Einspritzungen, mit welchen der Felsen gesichert worden ist, um ihn und somit die Stadt vor Erosion zu sch\u00fctzen, wie uns erkl\u00e4rt worden war.<\/p>\n<p><strong>Dienstag, 02.06.2026 \u2013 Stadt Spoleto, Wassergarten und Oliven\u00f6l<\/strong><\/p>\n<p>Spoleto hie\u00df das Tagesziel am Dienstag. Diese terrassenf\u00f6rmig angelegte Stadt hat 36.000 Einwohner. Wir begannen unsere Erkundung oberhalb der Stadt bei der Burg Rocca dell\u2019Albornoz, von wo aus wir einen sch\u00f6nen Blick \u00fcber Spoleto hatten. Hier spazierten wir einer Promenade entlang, vorbei an Linden und Steineichen bis zum mittelalterlichen Ponte delle Torri. Diese Br\u00fccke ist 235 m lang und 76 m hoch. Sie verbindet den H\u00fcgel, auf dem die Stadt erbaut ist mit dem Monte Luco. Luco bedeutet Licht, und der Wald auf dem Monte Luco ist lichtdurchflutet. Dieser Ort war f\u00fcr die R\u00f6mer heilig, B\u00e4ume durften nur zu religi\u00f6sen Zwecken gef\u00e4llt werden.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter begaben wir uns bergab zum Dom. In diesem wird eine Handschrift des Heiligen Franz von Assisi aufbewahrt. Unsere Mittagspause verbrachten wir in den Pl\u00e4tzen und Gassen der Stadt, bevor wir immer bergab zu unserem Bus zur\u00fcckbummelten. Unterwegs warfen wir einen Blick auf ein r\u00f6misches Theater, in dem beim allj\u00e4hrlich stattfindenden Festival dei Due Mondi Opern-, Ballett- oder Theater-Vorstellungen aufgef\u00fchrt werden, so wie an vielen weiteren Schaupl\u00e4tzen in der Stadt, z.B. vor dem Dom.<\/p>\n<p>Am Nachmittag fuhren wir weiter zum Wassergarten Fonti del Clitunno . Diese Gr\u00fcnanlage ist im 19. Jh. An der Quelle des Flusses Clitunno Angelegt worden. Es gab einen Teich auf dem Enten und Schw\u00e4ne ihre Runden drehten. Wir spazierten am pl\u00e4tschernden Wasser entlang, h\u00f6rten zu, wie der Wind die Bl\u00e4tter in den Pappeln und Trauerweiden zum Rascheln brachte und genossen es, f\u00fcr eine Weile die Seele baumeln zu lassen.<\/p>\n<p>Zum Abschluss unseres Tagesprogramms kehrten wir noch in einer \u00d6lm\u00fchle ein, wo uns die Herstellung kalt gepressten Oliven\u00f6ls erkl\u00e4rt worden ist und wir solches auch verkosten und einkaufen konnten.<\/p>\n<p><strong>Mittwoch, 03.06.2026 \u2013Perugia, Kunst und Schokolade<\/strong><\/p>\n<p>Am Mittwoch besuchten wir Perugia, die Hauptstadt Umbriens (162.000 Einwohner). Beim Aussteigen vom Bus wurden wir von einem kr\u00e4ftigen Regenschauer begr\u00fc\u00dft, so waren wir froh, zuerst einmal das unterirdische Perugia kennenlernen zu d\u00fcrfen. Es wurde uns erkl\u00e4rt, dass die Unterf\u00fchrungen, durch die wir gingen, einst die Stra\u00dfen der Stadt waren, die W\u00e4nde der Tunnels die Hausmauern. Nach der Eroberung der Stadt durch die R\u00f6mer wurden alle Geb\u00e4ude auf einer gewissen H\u00f6he sozusagen abgeschnitten und als Fundament f\u00fcr die Errichtung einer Festung genutzt. Im 16. Jh. wurde die Festung wieder abgebrochen und der ganze Schutt in die unterirdischen R\u00e4ume geworfen. Im 20. Jh. Schlie\u00dflich Wurden diese dann wieder freigelegt und zug\u00e4nglich gemacht. Die Gew\u00f6lbe hier unten bestanden aus r\u00f6tlichem Backstein, dieser Baustoff herrschte auch sonst in der Stadt vor und \u00fcbrigens auch in vielen der anderen St\u00e4dte, die wir auf unserer Reise besucht haben.<\/p>\n<p>Der n\u00e4chste Programmpunkt war der Besuch der Nationalgalerie Umbriens, eine der wichtigsten Kunstgalerien Italiens. Hier wurden wir durch zahlreiche R\u00e4ume voll sakraler Kunst gef\u00fchrt, darunter war das sehr bekannte Gem\u00e4lde namens Giotto-Kreuz. Einige der Kunstwerke konnten wir anhand tastbarer Nachbildungen blindengerecht erkunden. Mit viel Fachwissen und Begeisterung beschrieb und erl\u00e4uterte uns Catia die einzelnen Werke sowie deren kunstgeschichtliche Besonderheiten.<\/p>\n<p>In der Mittagspause durchstreiften wir wiederum die Stra\u00dfen und Gassen der Altstadt, bewunderten das Wahrzeichen Perugias, den Brunnen auf dem Hauptplatz und warfen einen Blick in die Kathedrale. In dieser Kirche wird der Santo Anello aufbewahrt und verehrt, der Verlobungsring der Gottesmutter Maria, der nur an zwei bestimmten Tagen im Jahr \u00f6ffentlich gezeigt wird.<\/p>\n<p>Am Nachmittag begaben wir uns dann in die Citt\u00e0 del Cioccolato. Hier wurde uns in einer multimedialen Ausstellung Anbau und Verarbeitung von Kakao sowie die Herstellung von Schokolade erkl\u00e4rt. Perugia ist bekanntlich eng mit Schokolade verbunden. So kennt wohl jeder die Pralinen namens Baci Perugina, die von der sonst f\u00fcr Mode bekannten Luisa Spagnoli erfunden worden sind. Zum Abschluss gab es noch eine Schokolade-Verkostung bei der wir, wie bei einer professionellen Weinkost, die Geschmackseindr\u00fccke verschiedener Schokoladen bestimmen sollten. Wir staunten sehr, wie unterschiedlich Schokolade schmecken kann. Im Shop wurden alle erdenklichen Arten Schokolade von 150 Herstellern angeboten, und wiederum tobten sich viele von uns hier eink\u00e4uferisch aus.<\/p>\n<p>F\u00fcr unseren R\u00fcckweg zum Bus nahmen wir die so genannte Minimetro, eine Art Standseilbahn, die teilweise unterirdisch und teilweise auf Metallkonstruktionen verl\u00e4uft. Sie ist vor nicht allzu langer Zeit von der S\u00fcdtiroler Firma Leitner gebaut worden.<\/p>\n<p><strong>Donnerstag, 04.06.2026 \u2013 Stadt Todi, K\u00e4severkostung und Aufenthalt am Trasimenosee<\/strong><\/p>\n<p>Das Tagesziel f\u00fcr den Donnerstagvormittag hie\u00df Todi. Diese Kleinstadt mit ihren 15.000 Einwohnern liegt im mittleren Tibertal, einem breiten und fruchtbaren Tal im S\u00fcden Umbriens nahe der Grenze zum Latium. Von einem Rosskastanienhain aus, bei dem unser Stadtbummel begann, hatten wir einen weiten Blick \u00fcber die Landschaft, die uns als sehr harmonisch beschrieben worden ist. Die Landschaft in Umbrien ist h\u00fcgelig, mal sanfter, mal mit h\u00f6heren Erhebungen. Auf den H\u00fcgeln befinden sich h\u00e4ufig D\u00f6rfer oder St\u00e4dtchen, es gibt viele Weinberge. Die Landschaft ist gepr\u00e4gt vom Gr\u00fcn der Laubw\u00e4lder, vom Silbergr\u00fcn der Olivenhaine und vom Gelb der fast reifen Kornfelder, in denen rote Mohnblumen bl\u00fchen. Der Duft von Lindenbl\u00fcten oder Jasmin, der uns auf unseren Wegen immer wieder einh\u00fcllte, versetzte uns in fr\u00fchsommerliche Stimmung.<\/p>\n<p>Todi ist im 7. Jh. V. Chr. von den Umbrern gegr\u00fcndet worden, einem weiteren antiken Volk, das, wie die Etrusker, in der r\u00f6mischen Kultur aufgegangen ist. Unser Bummel f\u00fchrte uns zum Hauptplatz mit der gotischen Kathedrale und mehreren Pal\u00e4sten aus der Renaissance.<\/p>\n<p>Ein Teil der Gruppe besuchte einen Park, in dem Skulpturen aus verschiedenen Materialien der US-amerikanischen K\u00fcnstlerin Beverly Pepper ausgestellt sind. Sie ist 2022 in Todi verstorben.<br \/>\nF\u00fcr den Mittag stand eine K\u00e4severkostung auf dem Programm. Angeboten wurden uns K\u00e4se aus Kuh-, Schafs- und Ziegenmilch. Da wir aber noch nicht mittaggegessen hatten, konnte uns die verabreichte Menge leider nicht zufriedenstellen.<\/p>\n<p>Den Nachmittag verbrachten wir am Trasimenosee. Diesen hatten wir bisher ja kaum zu Gesicht bekommen, obwohl Castiglione del Lago, wo wir unsere Unterkunft hatten, an diesem Gew\u00e4sser liegt. In Passignano am Nordufer machten wir Halt, spazierten der Strandpromenade entlang, h\u00f6rten die Wellen pl\u00e4tschern, schleckten ein Eis und blickten \u00fcber den gr\u00fcnlichen See und auf die H\u00fcgel mit D\u00f6rfern am gegen\u00fcberliegenden Ufer. Der Trasimenosee ist 16 km lang und 12 km breit, ist ein Binnensee, relativ niedrig und hat keinen richtigen Zu- oder Abfluss. Die Ufer sind vielfach mit Schilf bewachsen. Zum Schwimmen schien der See uns nicht sehr einladend.<\/p>\n<p><strong>Freitag, 05.06.2026 \u2013 Auf den Spuren von Franz von Assisi<\/strong><\/p>\n<p>Ein H\u00f6hepunkt unserer Reise stellte f\u00fcr manchen aus unserer Gruppe sicherlich der Freitag und damit der Tag in Assisi dar. Am Morgen besuchten wir die Franziskus-Basilika am Ortsrand Assisis, und zwar begannen wir im mittleren Teil der dreist\u00f6ckigen Kirche. In der so genannten Unterkirche befand sich im Mittelalter das Grab des Hl. Franziskus. Es gibt eine Vielzahl von Fresken. Eine der Seitenkapellen ist reich mit Darstellungen aus dem Leben der Maria Magdalena ausgemalt, darunter ihre Begegnung mit dem Auferstandenen am Ostermorgen. Heute befindet sich das Grab des Heiligen in der darunterliegenden Krypta, die im 19. Jh. Erbaut worden ist. Dort hinunter stiegen wir \u00fcber eine steile Treppe und gedachten Franziskus, dessen 800. Todestag heuer begangen wird. Anschlie\u00dfend gingen wir hinauf in die Oberkirche. Die Fresken von Giotto erz\u00e4hlen aus dem Leben von Franziskus und zeigen Szenen aus dem Alten und dem Neuen Testament.<\/p>\n<p>Sp\u00e4ter brachten uns Kleinbusse weiter den Monte Subasio hinauf zur Einsiedelei Eremo delle Carceri, wohin sich Franziskus und seine Gef\u00e4hrten immer wieder zum Gebet und Fasten zur\u00fcckgezogen haben. In der Stille dieses Ortes sp\u00fcrten wir dem Verm\u00e4chtnis des Heiligen nach, mancher meditierte in der Ruhe einer Kapelle, die anderen machten sich in der Grotte, in der Franz hauste, ein Bild \u00fcber die Entsagung und Armut, denen er sich verschrieben hatte. Bei einem Spaziergang vorbei an uralten Steineichen, in denen die V\u00f6gel laut zwitscherten, bekamen wir eine Ahnung davon, woher die gro\u00dfe Naturverbundenheit des Heiligen r\u00fchrte.<\/p>\n<p>F\u00fcr das Mittagessen stand an diesem Tag ein Picknick auf dem Programm, das von einer Weinkellerei organisiert worden ist. Hierf\u00fcr wurden wir in einen Weinberg gef\u00fchrt, direkt unterhalb von Assisi mit Blick auf die Basilika. Wir bekamen verschiedene Weine zu kosten und dazu typische Produkte der Region wie K\u00e4se, Wurst und Spanferkel. An der frischen Luft und unter den Weinreben schmeckte alles hervorragend, und wir freuten uns, Umbrien so auch in kulinarischer Hinsicht etwas kennenzulernen.<\/p>\n<p>Gest\u00e4rkt brachen wir sp\u00e4ter zu unserem letzten Programmpunkt auf, n\u00e4mlich zum Besuch der Basilika Santa Maria degli Angeli. Diese ist an jenem Ort erbaut, wo die Portiunkula-Kapelle gestanden hat, die Franziskus wieder aufgebaut und um welche herum er und seine Br\u00fcder sich in \u00e4rmlichen Holzh\u00fctten niedergelassen haben. Der ganze Ort, also die Kapelle, die nach wie vor innerhalb der Basilika steht, der Platz wo die H\u00fctten standen sowie die Stelle , wo Franziskus gestorben ist, wurde mit der m\u00e4chtigen Basilika \u00fcberbaut. Das Gotteshaus ist die siebtgr\u00f6\u00dfte Kirche Italiens.<\/p>\n<p>Wenn auch Assisi ein Ort ist, der m\u00f6glichst zu Fu\u00df und eher in einer kleineren Gruppe erlebt werden sollte, , so wie seinerzeit Franziskus weit in Umbrien und dar\u00fcber hinaus herumgewandert ist, so war der Tag wie wir ihn verbringen konnten doch ein gelungener und konnte uns etwas vom Geist dieses Heiligen vermitteln.<\/p>\n<p><strong>Samstag, 06.06.2026 \u2013 Gubbio und Heimreise<\/strong><\/p>\n<p>Und schon war wieder der letzte Tag unserer Reise gekommen. Am Samstagmorgen luden wir unser Gep\u00e4ck in den Bus auf und Verliesen Castiglione in nord\u00f6stliche Richtung. Vor der Heimfahrt machten wir noch einen Zwischenstopp in Gubbio. Dieses St\u00e4dtchen war wiederum auf einem H\u00fcgl erbaut und die Gassen f\u00fchrten steil bergauf. Auf dem Hauptplatz angelangt begaben wir uns in den mittelalterlichen Palazzo dei Consoli, wo eine Ausstellung historischer Funde eingerichtet ist. Besonders bemerkenswert hier waren sieben in Bronze gegossene Tafeln aus dem 3. Jh. V. Ch. Diese enthalten Schriften in umbrischen Buchstaben, die religi\u00f6se Riten beschreiben.<\/p>\n<p>Anschlie\u00dfend ging es mit einem luftigen Korb-Lift nochmals 270 m weiter in die H\u00f6he zur Basilika San Ubaldo. Dieser ist Patron der Stadt und hat im 12. Jh. gelebt. Catia erz\u00e4hlte uns ausf\u00fchrlich von der Corsa dei Ceri. Bei dieser werden drei s\u00e4ulenartige Holzkonstruktionen herumgetragen, auf denen sich Statuen des Heiligen Ubald, des Heiligen Georg und des Heiligen Antonius befinden. Die Holzkonstruktionen sind 5 m hoch, wiegen samt Tragevorrichtung 300 kg und werden von 8 M\u00e4nnern getragen. Diese rennen in 11 Minuten die Strecke vom Stadtzentrum bis zur Basilika hinauf und wechseln im Lauf noch untereinander die Position. Es ist ein Wettrennen, aber der Sieger steht bereits im Voraus fest, denn gewinnen muss die Statue des Patrons San Ubaldo.<\/p>\n<p>An diesem Mittag a\u00dfen wir alle gemeinsam in einem Restaurant, bevor wir unsere Reiseleiterin Catia verabschieden mussten. Wir waren uns in der Gruppe ziemlich einig, dass Catia eine sehr gute Reiseleiterin war, die sich sehr gut auf unsere Gruppe eingestellt hat. Sie hat es verstanden, die Zeiten angemessen einzuteilen, hat begeisternd ihr gro\u00dfes Wissen mit uns geteilt und sie hatte die F\u00e4higkeit, uns die Sehensw\u00fcrdigkeiten so zu beschreiben, dass wir eine gute Vorstellung davon erhalten konnten. Ihr sei also gro\u00dfer Dank f\u00fcr eine gelungene Reise gesagt.<\/p>\n<p>Dann traten wir endg\u00fcltig die Heimreise an. Zun\u00e4chst ging es \u00fcber eine alm\u00e4hnliche Landschaft \u00fcber den Apennin in die Region Marche nach Fano und dann der Adriak\u00fcste entlang bis nach Ravenna. Wir durchquerten wiederum die Poebene und fuhren bei Modena in die Brennerautobahn ein.<\/p>\n<p>Nach altem Brauch nutzten wir die Zeit um auf die vergangenen Tage zur\u00fcckzublicken und um allen zu danken, die es uns immer wieder erm\u00f6glichen, unsere Reiselust auszuleben. Namentlich genannt wurden Niko, der wie immer Motor des Vorhabens war, Barbara vom Apostolatsb\u00fcro, die bei der Vorbereitung beteiligt war, Anna, die w\u00e4hrend der ganzen Woche den \u00dcberblick \u00fcber die Gruppe und den Verlauf zu halten hatte, unser Chauffeur Guido , der zum ersten Mal mit uns unterwegs gewesen ist und sich ebenfalls gut auf die Gruppe eingestellt hat und nicht zuletzt unsere sehenden Freunde, die uns begleitet haben und an dem was sie sehen konnten teilhaben Liesen. Wir haben wieder eine gute Zeit verbracht, mit Umbrien eine wundersch\u00f6ne Gegend kennengelernt oder wieder einmal besucht und haben in unserer Gemeinschaft Freundschaft und gegenseitiges Wohlwollen erleben k\u00f6nnen. All dies sowie die Hoffnung, auch im n\u00e4chsten Jahr wieder eine Reise unternehmen zu k\u00f6nnen, hat uns zufrieden in unseren jeweiligen Alltag zur\u00fcckkehren lassen.<\/p>\n<p>Gabi Bernard (Teilnehmerin)<br \/>\nI-39054 Oberbozen, Juni 2026<\/p>","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Samstag, 30.05.2026 \u2013 Abfahrt und erster Zwischenstopp in Montepulciano Die traditionellen Kulturreisen des Blindenapostolates S\u00fcdtirol haben bereits fast alle Regionen Italiens zum Ziel gehabt oder zumindest gestreift. Umbrien ist eine der wenigen Regionen, die wir in diesem Rahmen noch nicht ausgiebig besucht haben. 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