Projektwoche „Sozial kompetent trotz oder wegen meiner Sehbehinderung“

Datum

18. - 25. April 2026
Abgelaufen!

Uhrzeit

Ganztags

In der Zeit vom 18. bis 25. April 2026 trafen sich 15 blinde und sehbehinderte Menschen aus Südtirol, Deutschland und Österreich zu einer Projektwoche im Blindenzentrum St. Raphael in Bozen. Eine Woche lang beschäftigten sie sich mit den verschiedenen Facetten ihrer sozialen Fähigkeiten. Unterschiedliche Lebenswege, Erfahrungen und Persönlichkeiten prägten die gemeinsame Zeit und erwiesen sich als wertvolle Ressource für den gegenseitigen Austausch.

Geleitet wurde die Woche von den beiden blinden Psychotherapeut*innen Veronika Joas und Stefan Rehmann.

Nach teils anspruchsvollen Anreisen begann der Kurs am Sonntagnachmittag mit einer Vorstellungsrunde, die bereits einen ersten Einblick in die Vielfalt der Teilnehmenden gab. Eine Einführung in das Thema „Soziale Kompetenz“ bildete den Auftakt der inhaltlichen Arbeit.

Der Montag stand im Zeichen von Selbst- und Fremdbild. Die Teilnehmenden setzten sich intensiv mit ihren eigenen Ressourcen auseinander, teilten prägende soziale Erfahrungen und reflektierten diese gemeinsam. In praktischen Gruppenübungen wurde die Fremdwahrnehmung mit ihren Möglichkeiten und Grenzen erfahrbar gemacht. Das Geben und Annehmen von Feedback nahm dabei eine zentrale Rolle ein.

Von Dienstag bis Donnerstag lag der Schwerpunkt auf dem Thema Kommunikation. In vielfältigen Übungen und Diskussionen wurden unterschiedliche Alltagssituationen beleuchtet, die Unterscheidung zwischen Beobachtung und Bewertung erarbeitet sowie die Bedeutung von Präsenz und Positionierung im Raum erfahrbar gemacht. Auch soziale Rollen, Beziehungsgestaltung sowie der Einfluss von Motiven und Bedürfnissen auf zwischenmenschliche Interaktionen wurden anhand von Rollenspielen vertieft. Kurze theoretische Impulse wechselten sich mit praktischen Übungen in Groß- und Kleingruppen sowie intensivem Erfahrungsaustausch ab.

Ein besonderer Höhepunkt war der Donnerstagvormittag, der der nonverbalen Kommunikation gewidmet war. Gastreferent Erich Meraner führte mit seiner motivierenden und wertschätzenden Art durch den Vormittag. Er beschrieb den Teilnehmenden seine visuellen Eindrücke – etwa Körperhaltung, Bewegungen oder Kleidungsstil – und teilte seine spontanen Assoziationen dazu mit. Diese Rückmeldungen eröffneten neue Perspektiven und erweiterten die Wahrnehmung innerhalb der Gruppe. In praktischen Übungen zum Präsentieren eines Themas erhielten einzelne Teilnehmende differenzierte Rückmeldungen zur Wirkung ihrer Körpersprache, wovon auch die beobachtenden Gruppenmitglieder nachhaltig profitierten.

Am Donnerstagnachmittag führte ein gemeinsamer Ausflug zum Montiggler See. In entspannter Atmosphäre konnten Natur, Bewegung und Gemeinschaft genossen werden – ein wertvoller Ausgleich zur intensiven inhaltlichen Arbeit.

Am Freitag stand schließlich das Thema „Sozial kompetent wegen meiner Sehbehinderung“ im Mittelpunkt. In Kleingruppen wurde erarbeitet, welche sozialen Fähigkeiten Menschen mit Sehbehinderung gerade aufgrund ihrer besonderen Lebenssituation entwickeln. Dabei wurde deutlich, dass beispielsweise eine erhöhte Sensibilität für zwischenmenschliche Stimmungen, ausgeprägte Zuhörkompetenz und bewusste Kommunikationsstrategien wichtige Stärken darstellen können.

Die gesamte Woche war von intensiver Selbsterfahrung geprägt. Mit Offenheit, Mut und gegenseitiger Unterstützung ließen sich die Teilnehmenden auf neue Perspektiven und Herausforderungen ein.

Noch keine weiteren genauen Details bekannt.